Katholische Mitglieder des Hauses Hessen-Darmstadt


Die Söhne Ludwig VI

Gegen den erbitterten Widerstand ihrer Mutter konvertierten vier ihrer Söhne,
die sie Landgraf Ludwig VI gebar, zum Katholizismus:

Friedrich von Hessen-Darmstadt (1677-1708)

Friedrich von Hessen-Darmstadt (* 18. September 1677 in Darmstadt; † 13. Oktober 1708 in Tschaussy) war ein Prinz von Hessen-Darmstadt und russischer General. Friedrich war der jüngste Sohn des Landgrafen Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt (1630–1678) aus dessen Ehe mit Elisabeth Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg (1640–1709), Tochter von Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Friedrich trat 1697 in Rom, wie schon seine Brüder Georg, Philipp und Heinrich, unter Protest seiner Mutter, einer eifrigen Protestantin, zum katholischen Glauben über und war zunächst Domherr in Breslau und Köln. Später trat er in russische Dienste und wurde durch Peter den Großen 1707 zum Generalleutnant der Kavallerie ernannt. In der für Peter siegreichen Schlacht von Leszno am 9. September 1708 gegen Schweden wurde Friedrich so schwer verwundet, dass er kurz danach starb. Friedrich hatte wesentlich zum Sieg bei der Schlacht beigetragen. Zar Peter gestattete die Vollendung einer katholischen Kirche nur, um seinen General darin bestatten zu können. Friedrich hatte am 20. November 1704 in Mariazell Petronella von Stockmanns (1677–1751) geheiratet. Die Ehe mit der in Brüssel geborenen Tochter des Freiherren von Stockmanns-Detting galt als nicht standesgemäß. Mit seiner Gemahlin hatte er eine Tochter: Maria Anna Friederike (1705–1788).

Georg von Hessen-Darmstadt (1669-1705)

Prinz Georg von Hessen-Darmstadt (* 1669 in Darmstadt; † 13. September 1705 vor Barcelona) war ein kaiserlicher General in den Diensten der österreichischen Habsburger und eroberte 1704 die Festung Gibraltar. Georg von Hessen-Darmstadt wurde 1669 als dritter Sohn des Landgrafen Ludwig von Hessen-Darmstadt geboren. Nachdem sein Vater bereits 1678 verstorben war, übernahm dessen Frau Elisabeth Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg die Erziehung Georgs. Im Jahre 1686 unternahm er mit seinen älteren Geschwistern eine Kavalierstour durch Frankreich und die Schweiz. Als jüngster Sohn der Familie hatte er kaum Chancen, einmal das Erbe seines Vaters anzutreten. Er entschied sich deshalb für eine Karriere im Militär, trat in österreichische Dienste und diente zunächst unter Prinz Eugen von Savoyen in den Türkenkriegen und 1690 unter Wilhelm von Oranien im Feldzug gegen Irland. Gleich nach seiner Rückkehr nach Österreich konvertierte er zum katholischen Glauben und erhielt 1694, im Alter von 24 Jahren, den Rang eines Generalfeldwachtmeisters. 1695 wurde er Feldmarschalleutnant. Danach erlangte er im Jahre 1696, während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688–1697), größere Bekanntheit durch die Verteidigung Barcelonas, die er erfolgreich leitete. Nach dem Ende dieses Krieges überhäufte man ihn in Spanien mit Ehren. Er wurde zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, Oberst der königlichen Garde und schließlich zum Vizekönig von Katalonien ernannt. 1699 wurde er Feldmarschall. Auch im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) stellte er sich auf die Seite der Habsburger gegen die Bourbonen. Er ging nach Österreich zurück, wo ihn Kaiser Leopold I. beauftragte, in Verhandlungen mit England zur Bildung einer Allianz zu treten. Nachdem diese zustande gekommen war, übernahm Georg, seit 1699 Feldmarschall, 1703 den Befehl über das kaiserliche Kontingent an Bord der englischen Flotte, die entlang der spanischen Küste operierte. Im Jahre 1704 eroberte Georg mit 1800 Mann die strategisch wichtige Festung Gibraltar im Handstreich und verteidigte sie gegen eine Belagerung durch spanisch-französische Truppen. Dort ist bis heute eine Bastion nach ihm benannt. Nach dem Rückzug der Belagerungstruppen stieß Georg wieder zum alliierten Heer und nahm an der Belagerung Barcelonas teil. Dort fiel er am 13. September 1705 beim Sturm auf das Fort Montjuïc (Castell de Montjuïc). Sein Körper wurde einbalsamiert und im Kloster Grazia beigesetzt. Sein Herz gelangte jedoch 1711, nach vielen Verwicklungen, nach Darmstadt, wo es in der Fürstengruft der Stadtkirche noch heute in einer silbernen Schatulle an der Decke hängt. Georg von Hessen-Darmstadt ist heute weitgehend unbekannt. Sein Name wird auch in der englischen Historiographie oft vergessen, obwohl sein Verdienst, die Eroberung Gibraltars, nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. England behauptet die strategisch wichtige Festung bis heute.

Philipp von Hessen-Darmstadt (1671-1736)

* 20. Juli 1671 in Darmstadt; † 11. August 1736 in Wien war ein Prinz von Hessen-Darmstadt, kaiserlicher Feldmarschall und Gouverneur von Mantua. Philipp war ein Sohn des Landgrafen Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt (1630–1678) aus dessen Ehe mit Elisabeth Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg (1640–1709), Tochter von Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg.
Philipp heiratete am 24. März 1693 in Brüssel Prinzessin Marie Therese von Croÿ (1673–1714), Tochter des Ferdinand François Joseph, Herzog von Havré. Aus Anlass seiner Eheschließung war er unter heftigem Protest seiner Mutter zum Katholizismus konvertiert. Philipp diente in kaiserlichen Diensten im Spanischen Erbfolgekrieg und wurde 1708 Feldmarschall und Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen in Neapel. Seit 1714 war er, auf Vermittlung des Prinz Eugen, Gouverneur des Herzogtums und der Festung Mantua. Dort ernannte er Antonio Vivaldi zum Kapellmeister. Aus seiner Ehe hatte Philipp folgende Kinder: Joseph (1699−1768), Bischof von Augsburg, Wilhelm Ludwig (* 1704, † jung) und Theodora (1706−1784).

Heinrich von Hessen-Darmstadt (1674-1741)

Heinrich von Hessen-Darmstadt (* 29. September 1674 in Darmstadt; † 31. Januar 1741 in Butzbach) war ein Prinz von Hessen-Darmstadt, kaiserlicher General und Befehlshaber von Lerida im Spanischen Erbfolgekrieg. Heinrich war ein Sohn des Landgrafen Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt (1630–1678) aus dessen Ehe mit Elisabeth Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg (1640–1709), Tochter von Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Heinrich trat, wie seine Brüder Georg, Philipp und Friedrich zum katholischen Glauben über und trat in kaiserliche Dienste, wo er zum Generalwachtmeister aufstieg. Unter Führung seines Bruders Georg war er 1704 an der Einnahme von Gibraltars beteiligt. Im Jahr 1705 wurde Heinrich zum Generalfeldmarschallleutnat und Befehlshaber von Lerida ernannt. Im Oktober 1707 verteidigte, an der Spitze einer Armee von 2.500 Mann, die Stadt im Spanischen Erbfolgekrieg. Nach zweimonatiger Belagerung musste er sich dem 30.000 Mann starken Truppenverband Philipps V. ergeben. Nach einer Auseinandersetzung mit Graf Starhemberg quittierte er 1710 seinen Dienst. Er kehrte nach Deutschland zurück und lebte in Butzbach, dem Witwensitz seiner Mutter. Unter deren Einfluss konvertierte er wieder zum Protestantismus.

Friedrich, Prinz von Hessen (1788-1867)

Mathilde, Großherzogin von Hessen-Darmstadt (1813-1862)

Prinzessin Mathilde Karoline Friederike Wilhelmine Charlotte von Bayern

(* 30. August 1813 in Augsburg; † 25. Mai 1862 in Darmstadt) war durch Heirat Großherzogin von Hessen und bei Rhein. Mathilde wurde als Tochter von König Ludwig I. von Bayern und dessen Frau, der Prinzessin Therese Charlotte Luise von Sachsen-Hildburghausen, geboren. Am 26. Dezember 1833 heiratete sie den Großherzog Ludwig III. von Hessen-Darmstadt, Sohn von Großherzog Ludwig II. von Hessen und bei Rhein und Prinzessin Wilhelmine von Baden, in München. Die Ehe blieb kinderlos.

Literatur:

Beck, Barbara: Mathilde Großherzogin von Hessen und bei Rhein. Mittlerin zwischen München und Darmstadt. Darmstadt 1993

Friedrich Kardinal von Hessen-Darmstadt (1616-1682)

Kardinal / Fürstbischof von Breslau
* 28.2. 1616 in Homburg vor der Höhe, † 19.2. 1682 in Breslau.

Friedrich von Hessen wurde als dritter Sohn des Landgrafen Ludwig V. von Hessen-Darmstadt (1577-1626) und der Magdalena (1582-1616), einer Tochter des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg, geboren. Nach dem Tod des Vaters übernahm der Erstgeborene Georg sowohl die Regierung als auch die Vormundschaft über die beiden jüngeren Brüder Heinrich und Friedrich. Seit der "Erbvereinigung" des Jahres 1606 galt für die hessisch-darmstädtische Linie der Landgrafen von Hessen die Unteilbarkeit des Gebietes. Die Nachgeborenen blieben damit ohne Territorialansprüche und wurden nach dem Ermessen des Ältesten mit regelmäßigen Deputatgeldern versorgt. Bereits 1628 wurde Friedrich zusammen mit dem älteren Bruder Heinrich auf die Kavalierstour nach Italien geschickt. In Siena verstarb Heinrich, worauf Friedrich noch Rom und Neapel besuchte und im Laufe des Jahres 1630 wieder nach Deutschland zurückkehrte. Eine zweite Reise führte ihn 1632/1633 nach Frankreich, den spanischen Niederlanden und England. Eine dritte Reise sollte seinem Leben eine völlig neue Wendung geben: Im Oktober 1635 erreichte er Rom, wo er von der Familie des regierenden Papstes Urban VIII. Barberini (1623-1644) zuvorkommend empfangen wurde. Weitere Gönner fand er im kaiserlichen Gesandten, dem Fürsten Savelli, sowie in Kardinal Maurizio von Savoyen, selbst nachgeborener Sohn aus regierendem Haus. Schnell fand Friedrich Gefallen am barocken Leben des römischen Hofes, welches er in vollen Zügen genoß. Erforderte bereits die soziale Stellung eines hessischen Landgrafen mit seinem Zwang zur angemessenen Repräsentation großen finanziellen Aufwand, so führte der verschwenderische Lebensstil des jungen Landgrafen vollends zu unkalkulierbaren Ausgaben, welche durch die Deputatzahlungen nicht gedeckt werden konnten. Kam hinzu, daß aufgrund der Bedrückungen durch den Dreißigjährigen Krieg die Apanage nur unregelmäßig floß. Die erforderlichen Geldmittel für seinen aufwendigen Lebensstil zu erlangen, sollte zu einem Dauerproblem im Leben Friedrichs werden. Die immer verbissener geführte Auseinandersetzung mit seinem Bruder um die Deputatgelder sowie die bald einsetzende ruhelose Jagd nach kirchlichen Pfründen begleiteten ihn bis zum Lebensende. - Im Frühjahr 1636 besuchte Friedrich Malta und lernte den Johanniterorden kennen. Der Eintritt in den katholischen Ritterorden mußte dem jungen Friedrich als aussichtsreiche Option erscheinen. Ohne Wissen seines Bruders ließ er sich, nach Rom zurückgekehrt, im katholischen Glauben unterweisen, in der Absicht, nach erfolgter Konversion, dem Malteserorden beizutreten. Francesco Barberini, der Kardinalnepot Urbans VIII., stellte seinen gelehrten Bibliothekar Lukas Holsten zur Verfügung und kam großzügig für seinen Unterhalt auf. Der Übertritt eines Urenkels des Landgrafen Philipps des Großmütigen, welcher maßgebend an der Verbreitung des Protestantismus in Deutschland beteiligt war, mußte dem Papsttum als wichtiger propagandistischer Erfolg erscheinen. Im Januar 1637 erfolgte schließlich die Konversion, ein Schritt, der nicht nur in den konsternierten Reaktionen des protestantischen Reichsteils als weitgehend weltlichen Beweggründen entsprungen angesehen wurde. Die Reaktion des Bruders hingegen fiel erstaunlich konziliant und pragmatisch aus, zum einen aufgrund der schon traditionell engen Allianz der hessen-darmstädtischen Linie mit dem katholischen habsburgischen Kaiserhaus, zum anderen aber auch in der Hoffnung, Friedrich werden sich in Zukunft alternative Versorgungskanäle eröffnen, die seine Abhängigkeit von den Deputatzahlungen mindern könnten. - Im Frühjahr begab sich Friedrich in Begleitung des Jesuiten Athanasius Kircher nach Malta, wo er in den Orden aufgenommen und bereits im April 1638 zum Koadjutor mit Nachfolgerecht des Großpriors Deutschlands ernannt wurde. Beinahe vier Jahre verbrachte er in Malta und beteiligte sich an zahlreichen militärischen Unternehmungen gegen die türkische Seemacht, im August 1640 schließlich als General einer selbst ausgerüsteten kleinen Flotte. Vor der tunesischen Küste erbeutete er bei geringen eigenen Verlusten sechs türkische Schiffe, was seinen Ruf als erfolgreichen Feldherrn nachhaltig prägte, obgleich er in späteren militärischen Diensten kaum in Erscheinung trat. - Nachdem er das Kommando mangels finanzieller Mittel zurückgegeben hatte, kehrte Friedrich Ende 1640 nach Rom zurück. Nach einem kurzen Aufenthalt in Wien 1642, wo er sich vergeblich ein kaiserliches Kommando erhoffte, begab er sich im Jahr darauf mit einer kaiserlichen Empfehlung an den spanischen Hof in Madrid. Für die Zukunft aber entscheidend war die Zusage des Kaisers, sich in Rom für ein Kardinalat verwenden zu wollen. Diese Promotion verfolgte Friedrich in der Folge mit Nachdruck, hätte ihm doch das Kardinalat neben dem sozialen Prestige auch privilegierten Zugang zu den reich dotierten kurialen und kirchlichen Pfründen gebracht. Die Einkünfte aus einigen Kommenden des Johanniterordens, die ihm verliehen worden waren, erwiesen sich als wenig ergiebig. Aber der Tod Urbans VIII. Barberini im Juli 1644 und das zeitweilige Exil der beiden Nepoten-Kardinäle Francesco und Antonio Barberini entfernte seine ehemaligen Förderer von den entscheidenden Machtpositionen der Kurie. Im Frühjahr 1646 verließ Friedrich Spanien, um in die Dienste Erzherzog Leopold Wilhelms, des neuen spanischen Statthalters in den Niederlanden, zu treten. Die kommenden Jahre verbrachte er hauptsächlich in Brüssel, unterbrochen von zahlreichen Kuraufenthalten in Spa und Aachen, wo er Linderung von seinem chronischen Gichtleiden suchte. Ende Dezember 1647 konnte Friedrich die Nachfolge des verstorbenen Großpriors der Johanniter in Deutschland, Hartmann von der Tann, antreten, nachdem er sich gegen die Anwartschaft des Georg Burkhardt von Schauenburg durchgesetzt hatte, der für sich ältere Ansprüche reklamierte. - Um die Jahreswende 1649/1650 hielt sich Friedrich in Rom auf, wo er anläßlich des ausgerufenen Jubeljahres mit großem Gefolge erschienen war und sich dem neuen Papst in Erinnerung zu rufen suchte. Im Herbst des selben Jahres besuchte er den kaiserlichen Hof in Prag, um bei Ferdinand III. sein fortgesetztes Interesse an einer kaiserlichen Kardinalsnomination zu bekräftigen. Indes ohne Erfolg. - Im Herbst 1651 empfand Friedrich seine Lage hoffnungslos: in seiner Aussicht auf das Kardinalat auf unbestimmte Zeit vertröstet, plagten ihn einmal mehr akute finanzielle Sorgen, zeigte sich doch sein Bruder nicht imstande, die Apanage auszuzahlen. Überzeugt, die Verwandtschaft halte wegen seines Glaubenswechsels das Erbteil zurück, entschloß er sich im Herbst 1651 zu einem tollkühnen Vorgehen: Mit Hilfe des Mainzer Domherrn Philipp Ludwig von Reiffenberg versuchte er, die hessische Festung Rüsselsheim in seine Gewalt zu bringen, um diese in der Auseinandersetzung mit seinem Bruder als Faustpfand benutzen zu können. Das Unternehmen mißlang aber ebenso wie der daraufhin unternommene Versuch, mit Truppen des Herzogs Karl IV. von Lothringen die westlichen hessischen Gebiete zu besetzen. Der Kaiser selbst zeigte sich empört über das Verhalten Friedrichs, und mahnte unmißverständlich eine friedliche Einigung an. Ein im Januar 1652 in Darmstadt geschlossener Vergleich brachte vorübergehend Ruhe in die endlosen Auseinandersetzungen. - Noch in Darmstadt, wohin er zur Unterzeichnung der Vereinbarungen aufgebrochen war, erreichte Friedrich die Nachricht seiner Ernennung zum Kardinal durch Papst Innozenz X. Pamphili auf Empfehlung Ferdinands III. In der Folge wurde auch seinem Gesuch, sich vorerst von den höheren Weihen dispensieren zu lassen, entsprochen: noch hatte er Hoffnung, vielleicht dereinst die Erbfolge in Hessen antreten zu können. Seine Absicht, unverzüglich nach Rom abzureisen, mußte er indes zurückstellen, da er in Heitersheim seinen Verpflichtungen als Großprior nachzukommen hatte. Als jedoch 1655 Innozenz X. starb, machte sich Friedrich unverzüglich in die Ewige Stadt auf, um am kommenden Konklave teilzunehmen. Als Alexander VII. bestieg der Sieneser Fabio Chigi den Thron. Während des Konklaves gehörte Friedrich als vom Kaiser portierter Kardinal der habsburgisch-spanischen Fraktion an. - Drei Jahre hielt sich der "cardinale lantgravio", wie er alsbald nur noch genannt wurde, in Rom auf. Er nahm Einsitz in kurialen Kongregationen und wurde vom Papst zusammen mit Kardinal Carlo de' Medici im November 1655 mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, die zum katholischen Glauben konvertierte ehemalige schwedische Königin Christine vor den Toren Roms zu empfangen. Während seiner römischen Jahre war Friedrich Habitué der dortigen barocken Hof-Gesellschaft. In Rom bemühte er sich aber auch sogleich um den Erwerb von kirchlichen Pfründen. Unter anderem erhielt er Kanonikate in Lüttich und Köln. Eine Dispens von der Residenzpflicht, um in die Nutznießung der Pfründen zu gelangen, wurde ihm jedoch nicht gewährt. Im Spätsommer 1658 verließ er daher Rom erneut. Der Kurfürst von Köln, Maximilian von Bayern, der gleichzeitig auch Bischof von Lüttich war, sah dem Kommen Friedrichs von Hessen-Darmstadt mit unverhohlenem Mißtrauen entgegen. Die offenkundige Anwartschaft des prohabsburgischen Kardinals auf das wichtige Kurfürstentum Köln erfolgte insofern vor einem brisanten politischen Hintergrund, als gerade der Kölner Kurfürst die geplante Wahl Leopolds I. zum römisch-deutschen Kaiser zu hintertreiben suchte. Als Promotor der antihabsburgischen Politik fungierte der Kölner Domdekan Franz Egon Graf von Fürstenberg. Dank dessen hartnäckigem Insistieren auf der peniblen Erfüllung aller notwendigen Verpflichtungen kam Friedrich schließlich weder in den Genuß der Präbende, noch wurde er in den entscheidenden Kreis der Kapitulare zugelassen. Derselbe Fürstenberg konnte sich 1662 im Kampf um den Straßburger Bischofsstuhl gegen den ebenfalls kandidierenden Friedrich durchsetzen. - Die prohabsburgische Parteinahme brachte Friedrich im Gegenzug lange Zeit keine materiellen Vorteile, da das weitverzweigte Kaiserhaus selbst eine Vielzahl nachgeborene Söhne mit Pfründen auszustatten hatte, was es auch mit Erfolg tat. Trotz energischem Vorgehen gelang es dem Kardinal nicht, nach dem Tod des Erzherzogs Karl Joseph 1664 eines dessen Bistümer Olmütz, Passau und Breslau zu erhalten. Noch im Laufe des Jahres 1661 hatte er dagegen von Alexander VII. eine Reihe von Domherrenstellen und Benefizien erhalten: die Propstei von St. Victor in Mainz, sowie Kanonikate in Mainz, Trier, Straßburg und Halberstadt sowie an den Kollegiatsstiften St. Gereon und St. Alban in Mainz; dazu kamen die Pfründen eines Chorbischofs zu Köln, eine ebensolche und ein Archidiakonat in Trier sowie die Propstei von Bamberg, allesamt Benefizien, die nach dem Tod des Grafen Hermann Otto von Nassau frei geworden waren. Aber noch 1666 hatte er keine dieser Pfründen offiziell in Besitz genommen und konnte daher deren Einkünfte nicht genießen. - Als im Juni 1661 Friedrichs Bruder Georg starb, suchte dessen Sohn und Nachfolger Ludwig VI. sogleich, mittels eines neuen Vergleichs, die Last der regelmäßigen Deputatzahlungen zu senken, was neue langwierige Auseinandersetzungen zur Folge hatte. - Bis 1666 hielt sich Friedrich, auch aufgrund der stets angespannten finanziellen Situation, meistenteils in Heitersheim auf. Nach hartnäckigen Verhandlungen mit den Generalstaaten um die enteigneten Kommenden des Ordens in den nördlichen Niederlanden erreichte er einen Vergleich, der dem Orden als Kompensation für die erlittenen Verluste eine jährliche Zahlung von 100'000 Gulden zugestand. - Ab Frühjahr 1666 wieder in Rom wurde Friedrich vom spanischen König Karl II. mit den Protektoraten über Kastilien, Aragon und Sardinien, sowie von Kaiser Leopold I. mit dem Protektorat des Deutschen Reiches betraut. Ab November 1667 amtierte er zudem als kaiserlicher Gesandter am römischen Hof. Allerdings belastete sein aufbrausendes und anmaßendes Benehmen mit zunehmender Dauer das Verhältnis der Kurie zu Wien. Dazu kamen öffentliche Skandale über verbotene Glücksspiele, in die der Kardinal verwickelt war. Die letzten Jahre in Rom überschatteten schließlich Streitigkeiten um Steuer- und Zollvergünstigungen, um die der stets klamme Friedrich erbittert kämpfte. Im Herbst 1674 schließlich eskalierten die Auseinandersetzungen: Zusammen mit den Gesandten Frankreichs, Spaniens und Venedigs protestierte Friedrich energisch gegen die Beschneidung entsprechender Privilegien durch Kardinal Paluzzo Altieri, den Nepoten Klemens' X. Erst nach erfolgreicher Mediation durch Friedrichs ehemaligen Gönner, den greisen Dekan des Kardinalskollegiums Francesco Barberini, wurde ein Vergleich geschlossen. Friedrichs Präsenz an der Kurie war indes für die kaiserlichen Interessen vollends zur untragbaren Belastung geworden. - Bereits im September 1671 war Friedrich sowohl auf kaiserlichen wie päpstlichen Druck vom Breslauer Domkapitel zum Nachfolger des verstorbenen Bischofs Sebastian von Rostock gewählt worden, nachdem er im August 1666 ein Kanonikat, im Jahre darauf auch das dortige Domdekanat erhalten hatte. Hoffnungen des Papstes, der ungeliebte Kardinallandgraf werde sich in der Folge an die Residenzpflicht halten, erwiesen sich aber als verfrüht, zögerte dieser doch die Abreise unter Hinweis auf seine kaiserlichen Verpflichtung weiter hinaus. Immerhin ließ sich Friedrich im Februar 1672 zum Priester weihen, im Februar des folgenden Jahres konsakrierte ihn Kardinal Federico Sforza in der römischen Hauptkirche der Jesuiten zum Bischof. - Im November 1675 ernannte Leopold I. Friedrich zum Oberlandeshauptmann Schlesiens, jedoch mit der Auflage, in Breslau Residenz zu nehmen. Neben weiteren 20.000 rheinischen Gulden Einkünften (die Einkünfte des Bistums wurden auf 100.000 bis 150.000 Reichstaler geschätzt), verschaffte ihm dieses Amt die Gerichtshoheit auch in weltlichen Belangen in den entsprechenden habsburgischen Erblanden - eine goldene Brücke, welche den geordneten Rückzug des angeschlagenen Kirchenfürsten in sein Bistum für alle Parteien akzeptabel machte. Im März 1676 verließ Friedrich Rom und zog am 29. Juni in feierlicher Prozession in seiner Residenz Breslau ein. - Die kommenden Jahre widmete er sich seiner neuen Aufgabe. Er führte zwei große Generalvisitationen in den Archidiakonaten Breslau und Liegnitz (1677), Glogau und Oppeln (1679) durch. Die Rekatholisierung Schlesiens wurde unter seiner Ägide mit Nachdruck vorangetrieben, auch mit Hilfe der Neugründung zahlreicher Klöster und Kollegien, wobei die Jesuiten besondere Förderung genossen. - Friedrich von Hessen-Darmstadt starb am 19. Februar 1682 in Breslau, nach etwa zweijähriger schwerer Krankheit. Bereits ab Herbst 1681 wurden die Geschäfte von seinem Weihbischof Karl Neander von Petersheide geführt. Sofort nach seinem Tod setzten langwierige Verhandlungen zur Begleichung der zahlreichen Schulden des verstorbenen Kardinals ein. Alleine in Rom soll er gemäß dem päpstlichen Nuntius in Wien bei verschiedenen Gläubigern noch mit über 30'000 scudi in der Kreide gestanden haben. Zum Haupterben hatte er die von ihm gestiftete Kapelle der heiligen Elisabeth im Breslauer Dom eingesetzt, in der er auch begraben liegt. Das einzigartige Werk des römischen Barock nördlich der Alpen wurde nach Plänen von Giacomo Scianzi gebaut, Friedrichs Grabmal stammt von Domenico Guidi, eine Büste des Kardinals aus der Bernini-Schule. - Friedrich von Hessen-Darmstadt ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die Handlungs- und Karrierechancen, die Angehörigen des europäischen Adels in der frühen Neuzeit offenstanden, als sich diese Gesellschaftssicht noch kaum über nationale Zugehörigkeit definierte. Neben dem pragmatischen Geschick und der zähen Ausdauer Friedrichs waren die zahlreichen persönlichen Beziehungen zu den entscheidenden Handlungsträgern seiner Zeit, welche er auf den zahlreichen Reisen zu knüpfen vermochte, für den Aufstieg des Landgrafen ausschlaggebend, wobei er prinzipiell als konvertiertes Mitglied eines protestantischen, alten Reichsfürsten-Hauses auf päpstliche sowie kaiserliche Förderung zählen konnte. Weder als Malteserritter, Großprior, Kardinal, kaiserlicher Gesandter oder Fürstbischof leistete er jedoch Bedeutendes, eher verkörperte er Mittelmaß. Prägendstes Moment seiner Biographie bleibt seine intensive Schulden- und Pfründenpolitik, worin er sich aber nur graduell vom Usus der Zeit unterschied. Prototypisch verkörpert er den nachgeborenen Adelssprößling, der die Lücke zwischen sozialem Anspruch und wirtschaftlicher Realität mit kirchlichen Mitteln zu schließen versuchte.

Lit.: Andreas Räß: Die Convertiten seit der Reformation nach ihrem Leben und aus ihren Schriften dargestellt, Bd. 5: 1621-1638, Freiburg 1867, 466-515, 595-608; - Krätzinger, Beiträge zur Geschichte des Landgrafen Georg II. und seines Bruders, des Landgrafen F. aus den Jahren 1634, 1637 und 1655, in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde 12, Heft 1 (1868), 161-179; - Albert Dunker, Der Seesieg des Landgrafen F. v. H. über die Barbaresken bei Goletta im Jahre 1640, in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde 15, Heft 2 (1881), 449-458; - Paul Buchmann, F., Landgraf von Hessen-Darmstadt, Malteserritter, Kardinal und Bischof von Breslau. Ein Beitrag zur Breslauer Bischofs-Geschichte, Breslau 1883; - Joseph Jungnitz, Die Grabstätten der Breslauer Bischöfe, Breslau 1895; - Walter Friedensburg, Regesten zur deutschen Geschichte aus der Zeit des Pontifikats Innocenz' X. (1644-1655). Aus der Abteilung "Lettere" des Vatikanischen Geheim-Archivs, in: QFiAB 4 (1902), 236-285; 5 (1903), 60-124; 6 (1904), 146-173; 7 (1905), 121-138; - Nuntiaturberichte vom Kaiserhofe Leopolds I. (1657, Februar bis 1679, Dezember), hrsg. von Artur Levinson, in: Archiv für österreichische Geschichte 103 (1913), 547-831; 106 (1918), 495-728; - W. Nickel, Die Breslauer Steinepitaphien aus Renaissance und Barock (Studien zur deutschen Kunstgeschichte 225), Straßburg 1924; - Wilhelm Dersch, Beiträge zur Geschichte des Kardinals F. v. H., Bischofs von Breslau (1671-1682), in: Zeitschrift des Vereins für Geschichte Schlesiens 62 (1928), 272-330; - Ders., Kardinal F. v. H., in: Schlesier des 17. bis 19. Jahrhunderts, hrsg. von Friedrich Andreae, Max Hippe u.a. (Schlesische Lebensbilder 3), Breslau 1928, 70-78; - Friedrich Noack, Kardinal F. v. H., Großprior in Heitersheim, in: ZGORh, Neue Folge Bd. 41 [80. der ganzen Reihe] (1928), 341-386; - Hubert Jedin, Die Krone Böhmens und die Breslauer Bischofswahlen 1468-1732, in: Archiv für schlesische Kirchengeschichte 4 (1939), 165-208; - Joseph Gottschalk, Auswärtige auf dem fürstbischöflichen Stuhl zu Breslau von 1456-1945 und Schlesier als Bischöfe von 1204-1903, in: Neunhundertfünfzig Jahre Bistum Breslau. Vorträge zur 950-Jahrfeier gehalten in der Universität Frankfurt am Main vom 9.-15. Oktober 1950, hrsg. von E. Brzoska, Königstein 1951, 41-89; - Ders., Die Grabstätten der Breslauer Bischöfe, in: Archiv für schlesische Kirchengeschichte 37 (1979), 185-214; - Johannes Nattermann, Kardinal F. v. H. und das Kölner Domkapitel, in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 28 (1953), 195-209; - Ludwig von Pastor, Geschichte der Päpste XIV, Freiburg 19609, 142, 342, 661-662; - Alfred A. Strnad, Wahl und Informativprozeß Erzherzog Leopold Wilhelms von Österreich, Fürstbischof von Breslau (1656-1662). Nach römischen Quellen, in: Archiv für schlesische Kirchengeschichte 26 (1968), 153-190; - Johannes Kumor, Breslauer Bischöfe als Domherren in Köln (1618-1801), in: Archiv für schlesische Kirchengeschichte 33 (1975), 47-67; - Werner Marschall, Geschichte des Bistums Breslau, Stuttgart 1980, 95-97; - Michael Galea, Landgraf F. v. H., Kardinal und Johanniter-Großprior in Deutschland. Beziehungen des hessischen Hauses zu Malta, in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde, Neue Folge 40 (1982), 97-122; - Ders., German knights of Malta. A gallery of Portraits, Valletta, Malta 1986; - Ders., Die deutschen Ordensritter von Malta, San Gwann 1996; - Regina Elisabeth Schwerdtfeger, F. v. H.-Darmstadt. Ein Beitrag zu seinem Persönlichkeitsbild anhand der Quellen im Vatikanischen Archiv, in: Archiv für schlesische Kirchengeschichte 41 (1983), 165-240; - Ulrich Köchli, Trophäe im Glaubenskampf? Der Konvertit und Kardinal. F. Landgraf v. H.-Darmstadt, in: Jagd nach dem roten Hut. Kardinalskarrieren im barocken Rom, hrsg. von Arne Karsten, Göttingen 2004, 186-204; - Hierarchia catholica medii et recentioris aevi IV, 30, 51, 52, 53; V, 52, 54, 418; - NDB V (1961), 504; - Erwin Gatz/JanKopiec, Friedrich, Landgraf von Hessen in Darmstadt, in: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1648 bis 1803. Ein biographisches Lexikon, Berlin 1990, 131-133. Moritz Trebeljahr, Der Kommendator als Lichtgestalt. Die glanzvolle Karriere d. Landgrafen F. v. H.-D. (1616-1682), in: JHKG 59.2008, S. 159-172.

Ulrich Köchli